Was zu befürchten war

Auf der Pressekonferenz des Landesamts für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) am 20. Oktober 2014 wurde offiziell, was vorher nur als Vermutung durch manche Medien schwirrte: Das Land Berlin baut sechs „Wohncontainerdörfer“ und wird erstmals seit dem Bau des Notaufnahmelagers Marienfelde 1953 wieder selbst Bauherrin einer Unterkunft für Geflüchtete. Als erstes wird der Standort Alfred-Randt-Straße im Allende II errichtet.

  • 20.10.2014: LAGeSo-Pressekonferenz, Bekanntgabe Standortentscheidung

„Wir sind als Bezirk nicht einbezogen worden. Formal hätten wir’s auch nicht gemusst, weil es Aufgabe des Landes ist. Aber um’s jetzt mal auf Deutsch zu sagen: Wir sollten hier die Drecksarbeit im Bezirk machen, die Integration sichern, die Bürger informieren, aber wir sind die Letzten gewesen, die selbst involviert wurden. Das war und das ist vom Senat unfair gewesen. Oben werden Entscheidungen getroffen und wir haben damit zu leben. Das war die Kritik, die von uns geäußert wurde und bei dieser Kritik bleibe ich auch heute noch.“ (Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, seit 2011)

Ab jetzt ging alles ganz schnell, Kiez und Bezirksamt waren in Aufruhr. Beide sahen sich vom Senat vor vollendete Tatsachen gestellt, was Unverständnis, Überforderung und Abwehrreaktionen auslöste. Neben der Endgültigkeit und Kurzfristigkeit der geplanten Maßnahme sorgte insbesondere die Nähe zur bestehenden Unterkunft für Geflüchtete in der Salvador-Allende-Straße im Allende I für Kritik. Die dort aktive ehrenamtliche Gruppe „Welcome Refugees!“ und einige andere lokale Einrichtungen wandten sich mit einem Offenen Brief und einer Online-Petition gegen die Containerunterkunft, ohne damit gegen Geflüchtete selbst protestieren zu wollen. Das übernahmen andere: Rechte und rechtsextreme Gruppen und Parteien nutzten ihre bezirks- und länderübergreifende Vernetzung für die schnelle Mobilisierung von Hetzkampagnen und Demonstrationen. Linke Gruppen und das bezirkliche „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ riefen zu Mahnwachen und Solidaritätskundgebungen auf, um dem eine weltoffene Sicht entgegenzuhalten und sich für die Rechte von Geflüchteten einzusetzen. Verunsicherung, Frustrationen, Ängste und Hass vermischten sich zu einer unheilvollen Gemengelage, in der jede Information – egal, ob wahr oder nicht – zu einem Funkenschlag wurde.

  • 24.10.2014: Online-Petition mehrerer lokaler Gremien und Einrichtungen gegen die Unterkunft

Vom Dagegen zum Dafür – eine Initiative findet sich (Teil 1)

„Es hieß einfach nur aus der Presse: Hier kommt ein Containerdorf hin und dann fingen auch schon die Bauarbeiten an. Streifenfundamente wurden gesetzt, Bäume gefällt und relativ zügig kamen die ersten Container. Und das ging schnell, dass sich da eine negative Stimmung entwickelte. In den Anfangswochen haben wir, also alle Gründungsmitglieder von „Allende 2 hilft“ auch so eine Petition entweder unterschrieben oder uns dazu geäußert: ‚Wir wollen diese Unterkunft hier nicht im Allende-Viertel. Was soll das? Ihr könnt hier nicht einfach so ein Containerdorf bauen.‘ Also im weitesten Sinne waren wir Heimgegner. Nur, dass wir relativ zeitnah festgestellt haben: Okay, wir können machen, was wir wollen. Der Senat hat das beschlossen, der Bezirk kann sich nicht dagegen wehren. Also wie gehen wir jetzt damit um? Und dann war’s für uns unterm Strich alternativlos, das Bestmögliche daraus zu machen und das Containerdorf auf irgendeine Art und Weise vernünftig in den Kiez zu integrieren.“ (Dirk, Ehrenamtlicher, Allende 2 hilft e.V., 2014–2023)

  • Protestbrief an das Bezirksamt Treptow-Köpenick, 23.10.2014

„Hier haben auch einige unterschrieben. Das ist wieder so ein Beispiel dafür, wie die Stimmungslage so war.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)

Der Beginn von Widerstand, Gesprächen und einer Baustelle

  • 03.11.2014: Anonyme Flugblätter mit rassistischen Inhalten in den Briefkästen 
  • 09.11.2014: Erstes sogenanntes „Picknick“ gegen die Unterkunft
  • 11.11.2014: Erster „Runder Tisch Allende Viertel II“

„Ich habe von oben beobachtet, wie die Bäume gefällt wurden. Dann kamen irgendwann die Container. Das waren so unglaublich viele. Gefühlt wurde zwei Wochen lang angeliefert“ (Anonym, Anwohner)

  • 14.11.2014: Beginn der Baumfällarbeiten

„Da haben sich manche das Mäntelchen ‚Naturschutz‘ umgehangen.“ (Petra, Ehrenamtliche, Garten der Hoffnung, 2015-2022)

Auf der Straße versammeln sich Hass, Frust – und Solidarität

  • 15.11.2014: Erste sogenannte „Bürgerdemo“ gegen die Unterkunft

„Es war gerade Zeitumstellung, es wurde früh dunkel und langsam kalt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass es bei dieser einen Demonstration schon relativ dunkel war und dann wirklich ein wütender Mob durch das ganze Viertel gelaufen ist.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014))

„Die Geschichten rund um die Demonstrationen, da hat es besonders geknistert. Weil man nicht wusste: Wird das gewalttätig, schlägt das irgendwie um? Beispielsweise hat immer einmal in der Woche eine Demonstration einen unüblichen Demonstrationszug genommen, bei dem, glaub ich, kaum einer wusste, warum. Nur ich hatte eine Vermutung. Weil er in der Nähe meiner Wohnung vorbeiführen sollte.“ / „Da war viel Hass in der Welt. Viel Hass war in den sozialen Medien. Und das ist ja heute noch genauso.“ (Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, seit 2011)

  • Am 15.11.2014 fand die erste große Demonstration gegen das Heim statt. Etwa 300 Anwohnende und 100 Rechtsextreme versammeln sich zu einer sogenannten „Bürgerdemo“. Foto: Register Treptow-Köpenick

„Bei den Demonstrationen war es so, dass ich Gesicht gezeigt habe. Also ich bin nicht mitgelaufen, aber an bestimmten Punkten habe ich mich so aufgestellt, dass sie mich wahrnehmen. Dann habe ich im Allende II gewartet, die Demo wurde im Allende I aufgelöst, und wer zurückkam, ich kenne ja einige, den habe ich zur Seite genommen und wir haben eine Runde geredet. Gerade die aus meiner Altersgruppe, die wissen, dass ich ein alter Punker war. Oder immer noch bin. Ich habe das Gefühl gehabt, dass es für Viele wichtig war, dass ich an der Stelle Position bezogen habe.“ (Marek Bauer, Mehrgenerationenprojekt BUDE, ehrenamtlicher Projektleiter, seit 2007)

  • 15.11.2014: Mahnwache vom Bündnis für Demokratie und Toleranz für „Solidarität mit Flüchtlingen statt Ausgrenzung“

„Ich habe einmal beobachtet, dass freitags so ein Marsch war, und habe zugehört, was die so von sich geben. Da war mir erst mal nicht klar, ob es feindlich oder positiv gemeint war, weil gesagt wurde: ‚Container sind nichts für Flüchtlinge, es müssen feste Bauten sein.‘ Also da sind Bemerkungen gefallen, die man nicht unbedingt sofort als schlecht einordnen konnte. Es war nur ein bisschen komisch. Und man kannte so etwas aus Köpenick nicht, dass da Demos liefen. Da bin ich drüber gestolpert, wirklich.“ (Verena, Ehrenamtliche, Begegnungscafé und Frauentreff, seit 2016)

  • 19.11.2014: Erste „Nein zum Heim-Lichterkette“ vor der Baustelle

Kein Tag ohne Kommunikation. Aber welche?

Direkt einen Tag nach der LAGeSo-Pressekonferenz gründete das Bezirksamt ein „Ämternetzwerk Flucht“, unter anderem um die Abstimmung zu Willkommensklassen und Kita-Plätzen zu beschleunigen. Zusammen mit der Polizei besuchte der Integrationsbeauftragte des Bezirks Kitas, Schulen, Seniorenheime, einen Back-Shop und einen Kiosk, um Bedarfe vor Ort zu ermitteln. Der zukünftige Betreiber der Unterkunft, der Internationale Bund, engagierte sich aktiv in bezirklichen und lokalen Netzwerken. Ein erster „Runder Tisch Allende-Viertel II“ bot den Anwohnerinnen und Anwohnern zwar die Möglichkeit Fragen zu stellen, erreichte aber längst nicht alle. Andere Gesprächsrunden versammelten lediglich die Träger lokaler Einrichtungen. 

Während die einzelnen Stellen damit beschäftigt waren, sich untereinander zu organisieren, entstand im Kiez ein Informationsvakuum, das sich zwangsläufig anderweitig füllte. Anwohnerinnen und Anwohnern suchten Antworten und fanden diese teilweise bei rechten Demonstrationen. Doch gegen die Alternativlosigkeit rechter Positionen regte sich lokaler Widerstand. Nachbarschaftsorte wie die BUDE boten die Möglichkeit eines offenen Austauschs jenseits politischer Schubladen. Hier war auch der Ort, an dem sich eine neue Initiative gründete: nach dem Vorbild aus Moabit zuerst als „Köpenick hilft“, aber schnell in „Allende 2 hilft“ umbenannt. Sie wurde zur wichtigsten Plattform für Verständigung und Engagement. 

Die Initiative „Allende 2 hilft“ wird zum Akteur (Teil 2)

„Die Anfangszeit unserer Initiative war dafür da, um ein gewisses Verständnis ins Viertel zu bringen und das rechte Gedankengut rauszuhalten, weil das hier nichts zu suchen hatte. Das war eigentlich so unser Gedanke. Der zweite Gedanke war, dass wir versucht haben, Informationen zu beschaffen, weil alle Gründungsmitglieder irgendwelche Kontakte im Bezirk oder Senat hatten. Da haben wir unter vorgehaltener Hand ein paar Informationen herausfinden können, die wir dann über unsere damalige Internet- und Facebook-Seite veröffentlicht haben, um Klartext zu bringen. Die Leute haben sich hier im Viertel den Mund zerrissen, irgendwelche wilden Geschichten ausgedacht, Falschinformationen gestreut und da haben wir als Initiative dagegen gearbeitet. Dadurch hatten wir eine gewisse Präsenz im Viertel. Unterm Strich waren wir die Ansprechpartner, sogar für den ersten Betreiber, weil der auch nicht wusste, was ihn hier erwartet. Die haben uns, wie ein Mitglied immer so schön gesagt hat, gefragt: ‚Wie funktioniert denn das Allende-Viertel? Erklärt uns das mal.‘ Und das haben wir dann auch versucht zu tun.“ (Dirk, Ehrenamtlicher, Allende 2 hilft e.V., 2014–2023)

„Natürlich waren wir es, die damalige Sozialstadträtin Frau Feierabend, unser Integrationsbeauftragter Herr Postler und ich, die dann telefoniert haben, mit Schulen, Kitas, der Polizei, Vereinen, also mit allen Institutionen, die irgendwie betroffen sein könnten. Wir haben versucht, Lösungen zu finden, auch mit unserer Schulaufsicht und dem Jugendamt. Dann die Proteste. Da war unser Bündnis für Demokratie und Toleranz unterwegs und hat versucht, Kundgebungen dagegen zu setzen, um zu sagen ‚Nein, wir sind hier eine tolerante Stadt, wir unterstützen das Containerdorf.‘ Das war eine sehr intensive, kommunikative Zeit mit vielen Emails und vielen Telefonaten.“ (Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, seit 2011)

Vakuum vor Ort …

  • 24.11.2014: Anschreiben vom Bezirksamt, Einladung zu Informationsveranstaltungen

„Also wenn man sich so die zeitliche Abfolge anguckt, dann sind von der Standort-Bekanntgabe am 20. Oktober bis zur ersten Anwohnerversammlung am 01. Dezember sechs Wochen ins Land gegangen, in denen sich wilde Geschichten entwickelt haben, zusammen mit den Vermutungen und Erlebnissen aus dem Flüchtlingsheim vorne in der Salvador-Allende-Straße. Sechs Wochen bevor die öffentliche Hand sich offiziell hier gezeigt und die Bürger informiert hat. Diese sechs Wochen waren im Grunde das Problem: Dass da nichts passiert ist. Null.“ (Dirk, Ehrenamtlicher, Gründungsmitglied „Allende 2 hilft e.V.“)

  • 20.11.2014: Die ersten Container erreichen die Baustelle

„Wir waren natürlich sofort der Treffpunkt, auch für Leute mit kontroversen Meinungen. Und sie haben offen davon erzählt: ‚Was da alles passieren könnte und so weiter!‘ Das waren ja richtige Wahnvorstellungen, die da viele hatten. Wir haben das nicht relativiert, sondern einfach miteinander kommuniziert. Wir hatten für die Leute ein offenes Ohr. Das war aus meiner Sicht das Einzige, was wirklich Sinn gemacht hat.“ (Marek Bauer, Mehrgenerationenprojekt BUDE, ehrenamtlicher Projektleiter, seit 2007)

und Verantwortliche in Dauerkommunikation

„Der damalige Abschnittsleiter der Polizei hat auch eine besondere und wahnsinnig tolle Rolle gespielt. Er hat die Information ja auch relativ zeitnah bekommen und in seinem Abschnitt wirklich die Ressourcen freigegeben und gesagt: ‚Herr Postler, ich gebe Ihnen, was Sie brauchen und ich find das cool, wenn Sie vor Ort gehen und mit den Menschen sprechen, nur so können wir die Menschen gewinnen.‘ Also der war mega.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)

Einen deutlichen Einschnitt markierten die zwei vom Bezirk organisierten Informationsveranstaltungen, bei denen es zu einer ersten Begegnung zwischen Politik und Verwaltung einerseits und der Nachbarschaft andererseits kam. Vertreten waren der Bezirk, das LAGeSo, der zukünftige Betreiber und die Polizei, alle standen unter erheblichem Druck. Ungefähr 300 Teilnehmende drängten jeweils in die Turnhalle der Grundschule. Die Atmosphäre blieb sachlich, aber angespannt. In kurzer Zeit folgten weitere Formate, mit denen sich das Blatt allmählich wendete. 

Ein „Adventssingen“ in der Buswendeschleife war die erste und außerordentlich erfolgreiche Aktion der neuen Initiative „Allende 2 hilft“, in Kooperation mit dem Runden Tisch, um die rechten Demonstrationen von der zukünftigen Unterkunft fernzuhalten. Bei einem ersten „Helfertreffen“ versammelten sich rund 80 Menschen, die voller Tatendrang der Frage nachgingen, was wohl die Menschen brauchen, die bald in die Container nebenan einziehen werden. Eine Woche später erreichten die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ihr neues Zuhause, trotz Anschlagswarnung. Das Risiko eines Angriffs verringere sich durch die Anwesenheit der Menschen, so das Kalkül der Senatsverwaltung für Inneres und des Landeskriminalamtes. Vier Tage später feierten sie gemeinsam mit dem Betreiber und Ehrenamtlichen Silvester, es blieb zum Glück friedlich. Die Mahnwachen gegen die Unterkunft hielten noch bis April 2016 an. Das Adventssingen wurde ebenfalls weitergeführt.

5.041 im Wohngebiet gemeldete volljährige Personen wurden vom Bezirksamt Treptow-Köpenick namentlich angeschrieben, über das Vorhaben informiert und zu den beiden Informationsveranstaltungen eingeladen. Der Zutritt war nur für Anwohnende mit Personalausweis möglich, um Veranstaltungstourismus, vor allem von rechtsextremer Seite, zu vermeiden. / Anschreiben Bezirksamt Treptow-Köpenick, 24.11.2014

  • 01.12.2014: Erste Informationsveranstaltung in der Müggelschlößchen-Grundschule
  • 05.12.2014: Erstes Adventssingen, initiiert von „Allende 2 hilft“

Das Adventssingen in der Buswendeschleife Müggelschlößchenweg, initiiert von „Allende 2 hilft“ und dem Runden Tisch, blockierte den Weg zur Unterkunft für rassistische Proteste. Foto: unbekannt

„Und auch die Bürgerinformationsveranstaltung, das war total grauselig. Ein riesiges Polizeiaufgebot, es waren dunkle Dezembernächte, wir standen in der Verantwortung und ich war relativ frisch im Amt. Das war schon einiger Druck. Die Stimmung war teilweise sehr angespannt und es gab ein hohes Aggressionspotential.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)

„Natürlich hast du was im Fernsehen gesehen und dann diese komischen Demonstrationen in Köpenick, bei denen du auch nicht so greifen konntest, was da jetzt die Sache ist. Aber zum Singen sind viele gegangen.“ (Verena, Begegnungscafé und Frauentreff, seit 2016)

  • 10.12.2014: Zweite Informationsveranstaltung in der Müggelschlößchen-Grundschule

„Es waren sehr hitzige Veranstaltungen, bei denen es gar nicht darum ging, nach Lösungen zu suchen, sondern nur Argumente zu finden, warum es hier nicht geht. Es ging unter anderem darum, dass Bäume gefällt werden. Den Leuten war es egal, wenn für Wohnhäuser Bäume gefällt werden. Aber wenn für eine Flüchtlingsunterkunft Bäume gefällt werden, geht das gar nicht. Ich hatte aber bei dieser Veranstaltung die genaue Liste der Baumpflanzungen als Ersatzpflanzungen für diese Bäume dabei, also das war jetzt auch kein Argument, das am Ende sticht. Außerdem sind teilweise menschenverachtende Argumente vorgetragen worden. Ich werde nie vergessen, weil ich auf diese Frage gar nicht richtig antworten konnte, wie ich gefragt wurde, was denn unternommen werde, damit sich die Menschen dort nicht vermehren. Das waren ernsthafte Fragen, die dort vor dem Publikum einer dreistelligen Zahl Menschen gestellt wurden. Da stellt sich jemand hin und fragt, was denn dafür getan werde, dass die Menschen keine Kinder kriegen. Also sozusagen, dass die Leute am besten sterilisiert werden sollten. Das hat schon Abgründe aufgezeigt von Menschenverachtung. Das hat schon ein Stück schockiert, muss ich ganz ehrlich sagen.“ / „Ich fand immer mutig, wenn sich dort Menschen hingestellt haben und für Flüchtlinge argumentiert haben.“ (Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, seit 2011)

  • 20.12.2014: „Helfertreffen“ im Seniorenzentrum Bethel
  • 24.12.2014: Rückzug der Online-Petition gegen die Unterkunft

Im Interview mit dem 1. FC Union Berlin am 12.12.2014: „Es ist eine schwierige Situation. Wir sind im Moment eigentlich jeden Tag auf irgendeiner Versammlung, um den Anwohnern zu erklären, warum es so gekommen ist, wie’s gekommen ist. Meistens äußert sich die Politik auch. Vorgestern hatten wir eine große Anwohnerversammlung, bei der Gesundheitssenator Czaja erklärt hat, warum das so schnell gehen musste. Der Bezirk ist ja auch überrollt worden, d.h. der Bürgermeister und die Sozialstadträtin, mit denen wir sehr eng zusammenarbeiten, können auch nur reagieren, genau wie wir. Fakt ist, es kommen täglich so viele Flüchtlinge nach Berlin, dass das Land einen immensen Druck hat. Man kann darüber streiten, ob man vorher hätte wissen können, dass es mal so viele werden. Es gab Schätzungen, die sind nicht eingetreten, zu niedrig angesiedelt. Aber wir wollen nicht zurückgehen, sondern wir wollen jetzt in die Zukunft gucken und versuchen, die Anwohner mitzunehmen.“ / „Es gibt viele Bedenken, was das Zusammenleben betrifft. Aber unser Ziel ist es, Angebote zu organisieren, um die einheimische Bevölkerung und die geflüchteten Menschen irgendwie zusammenzubringen und etwas gemeinsam zu machen. Weil nur so kann’s ja funktionieren.“ (Peter Hermanns, Internationaler Bund, Leiter der Unterkunft, 2014–2021)

  • 27.12.2014: Einzug der ersten Menschen

Die Unterkunft am 27.12.2014. Foto: unbekannt

Internationales Sommerfest - das Festival für Vielfalt und Nachhaltigkeit! Baergarten, Schnellerstraße 137, 12439 Berlin 
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