Diese Frage wird oft politisch oder wissenschaftlich beantwortet. Aber sie kann auch persönlich beantwortet werden. Was denken Sie oder was denkst du? Als jemand, der oder die nach Deutschland geflüchtet ist? Als jemand, der oder die haupt- oder ehrenamtlich mitgewirkt hat in den Prozessen? Oder als jemand, der oder die nicht beteiligt, sondern nur beobachtend war?
- Was bleibt, auch wenn es den Ort selbst nicht mehr gibt?
- Welche Erfahrungen und welche Erlebnisse haben die Menschen geprägt?
- Welcher Abschnitt beginnt nach dem Abschied – für die Menschen, für die Nachbarschaft, für Politik und Verwaltung?
„Wenn ich an die allerersten denke – das waren eine syrische und eine ägyptische Familie. Ich habe ihnen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz oder auch ganz persönlichen Problemen geholfen. Und ich habe heute noch Kontakt zu ihnen.“ (Heidi)
„Also in Treptow Köpenick hatte ich das Gefühl, ja. Zumindest waren wir 2017 bis 2021 in einer Zeit des Konsolidierens. Aber wie das so ist. Dann kam die nächste Belastungssituation. Während wir das eine geschafft haben, waren wir auf die neuen Ereignisse nicht vorbereitet. Und wirklich geschafft hat es, glaube ich, so ein Fluchtmanagement erst, wenn es das immer mitdenkt, dass das Ganze stabil bleiben muss, auch in einer Belastungssituation.“ (Nils Hauer)
„Wenn ich jetzt Menschen im Bezirk treffe, freue ich mich immer total, wenn ich sehe: Wow, sie haben ihren Weg gefunden. Sie haben es für sich geschafft.“ (Linda Massino)
„Ich merke, dass in der Beratungsarbeit und den Projekten immer mehr Menschen, die geflüchtet sind, jetzt angekommen und selbst beratend tätig sind. Für sie ist das vielleicht auch ein kleines Sprungbrett in irgendetwas anderes mal.“ (Gregor Postler)
„Das Fluchtgeschehen ist dadurch geprägt, dass die Zahlen mal hoch, mal runter gehen. Trotzdem denke ich, man bräuchte geordnete Aufnahmestrukturen, die ein Stück weit skalierbar sind. Da muss man vielleicht über Mehrfachnutzung von Gebäuden nachdenken. Dann macht man eben in diesen Objekten im Winter noch Kältehilfe mit. Wir brauchen eine Vorsorge, auch im Flüchtlingsbereich, damit wir als Staat handlungsfähig bleiben.“ (Detlef Cwojdzinski)
„Unser Herzensanliegen ist immer, für andere Menschen da zu sein. Als vorne im Allende I das erste Heim entstand, waren wir von Anfang an dabei. Dann kam auch hier im Allende II das Heim. Und da haben wir uns im Bethel, dem Seniorenheim, alle getroffen, die Interesse hatten zu helfen, egal was. Jetzt geht eine Ära zu Ende. Und ich bin dankbar für die ganzen Erfahrungen in den Jahren.“ (Marianne)
„Ich glaube, wir haben es nicht geschafft, die Bewohner des Heims so zu integrieren, dass sie sich hundertprozentig wohlfühlen. Also den einen oder anderen, ja. Aber so den Großteil glaube ich nicht. Haben wir es geschafft, dass die Leute hier ein vernünftiges, lebenswertes Leben führen konnten zu ihrer Zeit, die sie hier im Übergangswohnheim verbracht haben? Ich würde sagen, ja, das haben wir geschafft. Haben wir es geschafft, dass das Allende-Viertel nicht explodiert und hier Mord und Totschlag stattfindet? Ja, auch das haben wir geschafft.“ (Dirk)
„Ja, wir schaffen das, das geht. So nach dem Motto ‚Wir fliegen zum Mond‘. Wir werden auch diese Menschen versorgen können.“ (Oliver Igel)
„Der Garten der Hoffnung bedeutete für mich, der Hoffnungslosigkeit, die Kriege in Menschen hinterlassen, aktiv etwas entgegenzusetzen, und zwar in meiner Nachbarschaft. Hoffnung ist grün. Die Hoffnung auf ein kleines Paradies zwischen der Tristesse von Containern. Und gemeinsam über die Grenzen von Sprache und Kultur hinweg etwas Verbindendes, Lebendiges erschaffen, das mit den Händen greifbar ist. Wir haben Frieden gepflanzt.“ (Gitti (Fatima))
„Die Leistungen des Staates und der Regierungen sind nicht die Lösung selbst. Erst das konkrete Leben und die Erfahrungen aus dem Umgang mit Flüchtlingen werden uns helfen, wieder zur Ruhe zu kommen und mit den Flüchtlingen friedlich in einer Straße oder in einem Haus leben zu können. So wie es die meisten von uns Seniorenheimbewohnern in ihrem Leben schon mehrmals mussten und schafften!“ (Heinrich)
„Ich habe es 50-50 geschafft, würde ich sagen. Es hat viel geholfen, als man irgendwann wusste, wie der Papierkram läuft.“ (Abdul)
„Geschafft ist es noch lange nicht, das ist ein globales Problem.“ (Marek Bauer)