Ein Ort zum Wachsen

Für Menschen auf der Flucht bedeutet die Ankunft in Deutschland keinen Endpunkt. Noch gibt es keine Gewissheit über den Ausgang ihres Asylantrags. Und sie stehen vor den Herausforderungen einer fremden Sprache und Kultur, aber auch vor den Chancen neuer Beziehungen und persönlicher Weiterentwicklung. Ein Zwischenort wie das vorübergehende Zuhause in der Unterkunft wird zum Schauplatz, an dem sich Lebenswege neu entscheiden.

Die Idee vom Wohncontainer-„Dorf“ spiegelte sich nicht nur in der Architektur wider, sondern auch in der sozialen Struktur und im Umgang miteinander. Den Kern bildete das Team des Betreibers: Neben ihrer Funktion – Leitung, Verwaltung, Hausmeister, Sozialarbeit und seit 2016 auch Ehrenamtskoordination – wirkten die Menschen, die hier arbeiteten, automatisch als Brückenbauer in die aufnehmende Gesellschaft. Auch das Sicherheitspersonal, welches rund um die Uhr anwesend war, wurde oftmals zu einer wichtigen Bezugsperson. Gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Herzlichkeit überwanden Sprachbarrieren und Angsträume und ermöglichten so die ersten Schritte im neuen Lebensabschnitt. 

Doch das Wohlbefinden und die Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung jedes und jeder Einzelnen hingen wesentlich vom Kontakt und Austausch mit einem weitaus größeren Umfeld ab. Die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unterstützten die Menschen durch zusätzliche Angebote, vermittelten Orientierung und Sicherheit. Die Nachbarschaft mit ihren sozialen Einrichtungen und Versorgungsstellen förderte Gefühle von Verbundenheit und Selbstbehauptung. Alle waren Teil des Dorfs.

Nullpunkt

„Ich verbinde schöne Gefühle damit, dass hier alles für mich begonnen hat. Hier habe ich angefangen, die deutsche Sprache zu lernen und mit der Arbeit. Ich habe viele Leute kennengelernt. Leider gab es auch traurige Zeiten, in denen man nichts zu tun hatte, nichts machen durfte. Man durfte am Anfang nichts arbeiten, keine Schule besuchen oder so etwas, ohne die genaue Genehmigung der Ausländerbehörde. Nachher war aber alles gut.“ (Abdul, Bewohner, 2015–2019)

„Ich habe mich hier gefunden. Hier hat jemand alles für mich ermöglicht. Ich war schwach, ich war platt. Jemand hat mir den Arm gereicht und mich gehalten. Deswegen ist Deutschland auch mein Heimatland.“ (Haitham, Bewohner,  2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)

„Ich war wie… den Weg verlassend oder verloren. Und hier habe ich alles gefunden. Vorher war ich kein Mensch mehr. Kein Mensch, kein Los, nichts. Null. Aber Schritt für Schritt ist es jetzt gut.“ (Sumood, Bewohnerin, 2017–2020)

„Die Zeit hier war für mein Privatleben wirklich… Dunkelheit. Ich war wirklich verzweifelt. Meine Geschichte war weg und ich musste bei null angefangen. Unter Null war ich hier. Ich glaube, hier wurde ich neu geboren.“ (Abbas, Bewohner, 2019–2020)

Auch Tischtennis hilft beim Ankommen. Bei den Turnieren spielen alle mit: Bewohnende, Mitarbeitende des Betreibers und des Sicherheitsdienstes.
Foto: Karolin Sander

Lebensstationen

„Wir haben unseren Kindern nie gesagt: ‚Nein, ihr dürft das nicht machen.‘ Oder: ‚Ihr müsst das anders machen.‘ Wir haben richtig Integration weitergemacht und immer versucht, alle Möglichkeiten, die es gibt, zu nutzen.“ (Haitham, Bewohner, 2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)

„So viele Erinnerungen: Es fing an beim Krankenhaus. Ich habe da lange gearbeitet, beim DRK Köpenick. Und ich war traurig, dass der NP-Supermarkt nicht mehr da war, ist jetzt Edeka. Ich habe hier drei Jahre gewohnt, damals gab es auch noch ein Büro für mich als Rettungssanitäter, was ich ehrenamtlich gemacht habe. Ja, man kann das nicht beschreiben, aber man wird einfach warm im Gesicht auf einmal, weil einem so viele Erinnerungen kommen.“ (Mohammed, Bewohner)

„Ich habe ungefähr zwei Jahre hier gelebt. Ich habe hier geheiratet und meinen ersten Sohn geboren. Das war sehr schön.“ (Midia, Bewohnerin)

„Wir haben alle am gleichen Strang gezogen und das hat den Unterschied gemacht, auch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.“ (Valeria Tosi, Internationaler Bund, Sozialarbeiterin und stellvertretende Leiterin der Unterkunft, 2016–2021)

Bei einer Veranstaltung im Garten der Unterkunft sitzen eine Sozialarbeiterin und Bewohnerinnen und Bewohnern zusammen. Foto: Gabriele Senft

Nachbarschaft

„Der Kiez hat sich beruhigt. Aber es war trotzdem oft eher ein Nebeneinander als ein Miteinander. Auch das gehört zur Wahrheit dazu.“ (Peter Hermanns, Internationaler Bund, Leiter der Unterkunft, 2014–2021)

„Eigentlich war da kein so enger Kontakt mit der Nachbarschaft. Aber beim Einkaufen, da war ein Supermarkt nebenan, da hat man sich ab und zu nicht wohlgefühlt. Da waren Leute, die so ein bisschen komisch geguckt haben. Aber allgemein war es in Ordnung.“ (Rinas, Bewohner)

„Man hat schon gemerkt, in welchem Elternhaus negativ gesprochen wurde. Die Kinder an sich haben zueinander gefunden.“ (Anke Carus, Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung Würfel, Erzieherin, seit 2011)

„Ich habe eine ganz nette Person kennengelernt, und zwar eine Verkäuferin bei Edeka. Ich war so begeistert. Sie hat mich immer mit einem Lächeln begrüßt und ich ging so gern einkaufen und jetzt kenne ich sie persönlich. Wir bleiben in Kontakt. Sie ist weiterhin ein wichtiger Teil meines Lebens. Und deswegen habe ich so eine große Liebe für Edeka entwickelt. Mein Traum ist eine Ausbildung bei Edeka.“ (Liza, Bewohnerin, 2024–2025)

Herausforderungen

„Am meisten Probleme hatten wir mit dem Aufenthaltsrecht, weil wir nicht wussten, ob sie es verlängern oder nicht. Dann mussten wir viel laufen, die richtigen Stellen finden. Wir haben einer Organisation alle Dokumente gegeben und sie haben sie an den Senat geschickt. Gott sei Dank, die Senatsverwaltung hat geschrieben, dass wir den Aufenthalt bekommen. Aber das war sehr viel Stress. Du läufst da und da hin, immer mit Angst. Das war das Schlimmste. Ansonsten gab es ab und zu Konflikte mit den anderen Leuten, klar, die gibt es überall. Aber das war ein Moment und am nächsten Tag haben wir uns schon wieder ‚Hallo‘ gesagt.“ (Naim und Merita, Bewohnerpaar, 2015–2020)

„Es ist sehr anstrengend. Viele Leute, die kommen, haben Geschichten, zum Beispiel Familien in Gebieten, wo jetzt Krieg ist. Ich verstehe, wenn sie nicht rausgehen wollen, weil sie viel Stress oder Depressionen haben und sich Gedanken und Sorgen um die Familie machen. Manchmal ist Deutsch lernen zu schwer wegen dieser Geschichten, wenn der Kopf nicht frei ist. Aber egal, was los ist im Kopf, du musst das machen. Das ist dein Leben. Wir leben nur einmal. Da müssen wir gut leben.“ (Ramzan Kagirov, Stadtmission, Sozialbetreuer, 2024)

„Eine Heimat können wir ihnen ja nicht geben, aber dass sie sich irgendwie aufgefangen, geborgener fühlen.“ (Marianne, Ehrenamtliche, Kleiderkammer, Begegnungscafé, Frauentreff und Garten der Hoffnung, seit 2015)

„Meine Klassenlehrerin mochte Ausländer nicht. Sie hat oft über Rassismus geredet. Aber sie hat selbst in der Klasse Ausländer bloßgestellt. Wir hatten ein arabisches Kind in unserer Klasse. Und immer wenn er etwas richtig gesagt hat, hat sie gesagt: ‚ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn.‘ Das fanden wir alle scheiße. Deswegen mochten wir sie nicht. Wir haben der Direktorin nicht Bescheid gesagt, weil wir dachten, das wäre vielleicht normal. Aber es kam bei anderen Lehrern nicht vor. Deswegen haben wir uns Gedanken gemacht: Warum sagt sie sowas?“ (anonym, Bewohnerin)

Besonders die Kinder finden schnell Anschluss. Der Auszug in eine eigene Wohnung oder wieder weg aus Deutschland bedeutet leider oft das Ende der jungen Freundschaften. Foto: Gabriele Senft

Ein neues Leben in 7 Jahren. Wie 7 Sekunden.

Boxtraining im Garten der Unterkunft. Foto: unbekannt

„Meinen Asylantrag habe ich am 04.12.2018 in Hamburg gestellt. Der Computer hat gesagt, ich muss nach Berlin fahren. Am 06.12.2018 bin ich nach Tempelhof gekommen, war zwei bis drei Wochen dort. Dann Spandau, dann Lichtenberg, immer für zwei bis drei Wochen. Und dann hier, die erste feste Adresse, vorher alles Camps. Ich war sehr traurig. Im Iran hatte ich eine eigene Firma mit zwei LKWs. Alles habe ich verloren. Ich hatte nichts mehr. Meine Situation war schwierig: Ich war ganz allein, hatte nicht studiert und habe alles zurückgelassen. Das Einzige, was ich tun konnte, war: lernen, lernen, lernen. Deutsch lernen, für den Führerschein lernen. Und viel Sport machen, das war wichtig für mein Wohlbefinden. Wenn ich etwas verloren habe, hat Sport mir geholfen. Keine Religion, ich habe keine. Ich hoffe, mein Herz ist mein Gott. Ich versuche gut zu denken, mich gut zu verhalten, Gutes zu tun. Dafür brauche ich keinen Koran, keine Bibel, ich kann selber positiv denken. Jetzt habe ich mir meinen ersten eigenen LKW in Deutschland gekauft.“ (Abbas, Bewohner, 2019–2020)

Integration ist Aktion – „Die Ehrenamtlichen haben’s gewuppt.“ 

Wo Staat, Markt und das persönliche Umfeld an ihre Grenzen stießen, bewegten Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten, oft Unermessliches. Für die Geflüchteten ging es vordergründig um akute Bedarfe, für die es sprachliche und kulturelle Orientierung brauchte: Behördenformulare, Termine in Ämtern, Sprachtandems, Nachhilfe, aber auch umfassende Anliegen wie Arbeitsplatz- und Wohnungssuche. Vieles passierte auf individueller Ebene. Für andere Aktivitäten organisierten sich Gruppen mit unterschiedlichen Graden an Professionalisierung. 

Generell galt: Das Ehrenamt endete nicht mit der Erledigung einer Aufgabe, sondern trug darüber hinaus eine psychologische und soziale Bedeutung. Auf der politischen Ebene begann Integration mit einer Absichtserklärung, umgesetzt wurde sie letztlich in der gemeinsamen Aktion. Praktisch, direkt und persönlich. Die einzelnen Angebote waren so vielfältig wie die beteiligten Persönlichkeiten. Von der Vielzahl der Initiativen und Projekte kann hier nur eine beispielhafte Auswahl erwähnt werden.

„Also man muss erst mal grundsätzlich sagen, dass diese ganze Integration, die Aufnahme der Menschen, ohne das Ehrenamt gar nicht funktioniert hätte.“ (Linda Massino, Internationaler Bund, Ehrenamtskoordinatorin, 2016–2020)

Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften (BENN)

  • Initiative: Idee aus der Senatskanzlei, Konzept entwickelt in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Eine Bewerbung um Europamittel scheiterte, es folgte die Finanzierung aus Landesmitteln.
  • Idee: Ein Programm wie „Quartiersmanagement“ speziell im Umfeld von Geflüchtetenunterkünften. Im Kern geht es um die Förderung des Potentials der Quartiere für die Ankunft neuer Menschen. Die Angebote richten sich an alteingesessene und neu hinzugezogene Gruppen gleichermaßen. 
  • Erfolg: Bezirksämter, Betreiber der Geflüchtetenunterkünfte, soziale Einrichtungen vor Ort und die Nachbarschaften haben positives Feedback gegeben. 2025 folgte die Auszeichnung mit dem „Bewährt vor Ort“-Siegel für kommunalpolitische Innovation. Mittlerweile befinden sich zahlreiche Standorte, so auch im Allende-Viertel, in der zweiten Förderphase. Andernorts sind neue hinzugekommen und es gibt Anfragen nach weiteren BENN-Gebieten. Konfliktsituationen aus der Anfangszeit einzelner Standorte, die aus einem Gefühl der Konkurrenz in der Stadtteil- oder Ehrenamtstätigkeit entstanden, lösten sich mit der Zeit und nach gegenseitiger Verständigung meist erfolgreich auf.
    • „Dass Willkommensinitiativen da sind, dass sich Leute engagieren und mithelfen, dass Geflüchtete integriert werden in den Stadtteil, halte ich für absolut positiv. Nach einer Weile nehmen die Initiativen BENN auch als gute Unterstützung wahr.“ (Ute Krüger, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Programmleiterin BENN – Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften, seit 2016)
    • „Das, was BENN gemacht hat, ist das, was der Senat hätte von Anfang an machen sollen.“ (Dirk, Ehrenamtlicher, Allende 2 hilft e.V., 2014–2023)

Pablo–Maskenprojekt

Als es am Anfang der Corona-Pandemie kaum Masken zu kaufen gab, entschieden die Frauen vom Nähprojekt aus der Unterkunft, selbst Masken zu nähen. Mehrere Nähmaschinen und Materialien wurden geliehen oder gespendet und die Produktion konnte starten. Es wurden die Menschen in der Unterkunft, den umliegenden Einrichtungen und der Nachbarschaft versorgt. Mehrmals waren ein paar der Näherinnen und das BENN-Team mit dem Lastenrad „Pablo“ zum gemeinsamen Verteilen unterwegs.

„Im Erdgeschoss gab es ein Zimmer, in dem viele Nähmaschinen standen. Aber die Frauen haben Kinder und deswegen keine Zeit, außer nachts. Deswegen war es für uns am besten in unserem Zimmer. Also hat sich jede Frau eine Maschine mit auf ihr Zimmer genommen und konnte so einfach nähen, wenn sie Zeit hatte. Es gab keine vorgeschriebene Zeit, wir haben alleine entschieden, wann wir nähten. Nachts haben wir nicht geschlafen, sondern genäht. Wenn ich einen Faden oder Gummi gebraucht habe, bin ich zu meinen Nachbarinnen gegangen und habe sie danach gefragt. Wir haben die fertigen Masken gesammelt, wenn es zehn oder 15 waren, haben wir sie im Büro abgegeben.“ (Sumood, Bewohnerin, 2017–2020)

„Und dann haben wir BENN angesprochen für die Spaziergänge zum Verteilen im Kiez. Dadurch hat es in der Nachbarschaft eine gewisse Resonanz bekommen und die Nachbarn haben auch mitgemacht. Oder die Ehrenamtlichen, die regelmäßig zu uns gekommen sind. Das war auch ein bisschen ein Miteinander trotz der schwierigen Umstände.“ (Valeria Tosi, Internationaler Bund, Sozialarbeiterin und stellvertretende Leiterin der Unterkunft, 2016–2021)

Allende 2 hilft

Das Allendefest gehörte zu den größten Projekten der Initiative „Allende 2 hilft“. Foto: Gabriele Senft

Schon beim ersten Helfertreffen 2014 entstanden die Ideen für die wichtigsten Projekte der Initiative, andere kamen später dazu: Kleiderkammer, Open Stage für Musik, Deutschkurse, Kinderbetreuung, Ämterbegleitung, Fahrradwerkstatt. Auch das Begegnungscafé und der Garten der Hoffnung gehörten dazu, haben aber später selbstständig weitergemacht. 

„Die Bewohner gehen nicht raus, die Nachbarn nicht rein. Also haben wir uns das Allendefest überlegt. Das erste, im Jahr 2015, wurde von unserer Initiative mit Hilfe der Unterkunft und dem Seniorenheim veranstaltet. Danach gab es eine Erwartungshaltung, als hätte es das Fest immer gegeben.“ (Dirk, Ehrenamtlicher, Allende 2 hilft e.V., 2014–2023)

„Vorher gab es kein Fest des Ortsteils. Aber das Allendefest wurde im Laufe der Zeit zu einer festen, von der Unterkunft völlig unabhängigen Veranstaltung. Das ist wirklich eine Erfolgsgeschichte.“ (Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, seit 2011)

Türöffner e.V.

  • Initiative: privat, Internationaler Bund, Wirtschaftsrat 1. FC Union e.V., Joachim Gericke Baugesellschaft mbH, Pfarrei St. Josef Treptow-Köpenick
  • Idee: Geflüchtete Menschen in Praktika, Ausbildungsplätze oder eine reguläre Beschäftigung vermitteln. Sowohl die Suchenden, als auch die Unternehmen werden dabei in allen rechtlichen, organisatorischen und vorbereitenden Belangen unterstützt.
  • Erfolg: Das breite Netzwerk aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Sport und Zivilgesellschaft wächst stetig und ermöglicht zahlreiche individuelle Vermittlungserfolge. Preisträger beim „startsocial“-Wettbewerb 2022 für herausragendes soziales Engagement.

Kleine Imkerei

Ein Projekt von Türöffner, gefördert vom Programm LSK – soziale und beschäftigungswirksame Potenziale aktivieren. Ein Imker und Bewohnerinnen und Bewohnern haben drei Bienenbeuten aufgebaut, betreut und 30 kg Honig geerntet.

  • Netzwerken wie die Bienen, das war der Grundgedanke vom Türöffner e.V. Foto: Gabriele Senft
  • „Was wären wir wohl ohne Bienen?“ (Yazan, Bewohner, 2015–2018) 

Willkommen im Fußball

  • Initiative: bezirksweites Bündnis vom FC Union, Internationalen Bund und Askania Köpenick; anfangs gefördert durch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, später durch die Stiftung 1. FC Union Berlin
  • Idee: Jungen Geflüchteten einen niedrigschwelligen Zugang zum Amateur- und Profifußball ermöglichen. Proficlubs und -spieler wirken als Vorbilder, lokale Vereine werden zu Orten der Verbundenheit, über sprachliche, soziale und kulturelle Grenzen hinweg.
  • Erfolg: Mittlerweile wird das Kernangebot von offenen Trainings und regelmäßigen Fußballturnieren ergänzt durch Kultur-, Bildungs-, Qualifizierungs-, und Vernetzungsangebote. Neue Schwerpunkte sind die Qualifizierung für das Ehrenamt im Sportverein, bei der Berufsorientierung, sowie die Förderung von Sportangeboten für geflüchtete Mädchen und Frauen.
    • „Jemand vom Garten der Hoffnung hat uns gefragt, ob wir auch mitmachen wollen im Wuhlegarten. Dann bin ich dort zur gleichen Zeit Mitglied geworden wie beim Fußball. Denn Peter hatte mir gesagt, dass ich bei Union kicken kann, weil ich vorher in meinem Heimatland in einer hohen Liga gespielt habe. Fußball, parallel Gartenprojekt und immer regelmäßig Begegnungscafé – diese Mischung zusammen hat richtig gut funktioniert.“ (Haitham, Bewohner, 2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)
    • Der Trainer unterstützt seine Mannschaft in der Halbzeitpause mit den Worten: „Wenn nicht wir, wer dann?“ Foto: Gabriele Senft
    • „Wir haben auf diesem Fußballplatz gespielt mit allen Anderen. Es gibt verschiedene Leute aus Turkmenistan, der Ukraine, Deutschland – alles. Wir haben hier auch fast drei Jahre drei oder zwei Mal pro Woche Tischtennis gespielt. Es war sehr schön für mich.“ (Maksym, Bewohner, 2022–2024)

Sprachcafés 

Ehrenamtliche wurden zu Lehrerinnen und Lehrern der deutschen Sprache. Durch Übungen und Konversationen konnten die Geflüchteten spielerisch ihre Deutschkenntnisse anwenden und verbessern. Eine wichtige Erweiterung war das Sprachcafé mit zusätzlicher ehrenamtlicher Kinderbetreuung, um auch Frauen mit Kindern die Teilnahme zu ermöglichen. 

„Meine Eltern können Armenisch besser als ich und ich kann Deutsch besser als sie. Also es ist irgendwie fair.“ (Meri, Bewohnerin, 2018–2022)

„Die Sprache lernen – man muss das machen. Aber was kommt dann? Kommunikation.“ (Haitham, Bewohner, 2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)

Begegnungscafé

Erst Ehrenamts-, dann Freitags- und schließlich Begegnungscafé. Eins der allerersten Projekte, das bis zur Schließung der Unterkunft kontinuierlich durchgeführt wurde. Ehrenamtliche luden Bewohnerinnen, Bewohner und Interessierte an eine Kaffeetafel zum gegenseitigen Kennenlernen. In elf Jahren lief die Kaffeemaschine entweder jeden oder jeden zweiten Freitag und schuf den Rahmen für Kontakt und Freundschaften.

„Da war so viel Zucker im Kaffee drin… ja, Nervennahrung, sagte man da. Also die Leute haben Zucker verbraucht, Unmengen. Und wir haben nur mit den Ohren geschlackert.“ (Gerd, Ehrenamtlicher, Kleiderkammer und Begegnungscafé, seit 2015)

„Die Leute sind zu uns gekommen, haben mit uns Kaffee getrunken und Kekse gegessen. Bei uns hat das viel Bedeutung, wenn du mit jemandem etwas isst und sitzt und sprichst. Das bedeutet bei uns Respekt und Menschlichkeit.“ (Haitham, Bewohner, 2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)

„Elf Jahre später – und selbst die Kaffeemaschine ist noch die, die wir damals besorgt haben. Ich glaube, die habe ich bei Saturn gekauft, aber egal…“ (Randolf, Ehrenamtlicher, Begegnungscafé, 2014–2020)

„Ich habe Menschen kennengelernt. Dafür bin ich dankbar. Von ihnen habe ich sehr viel gelernt, wie sie leben, was ich vorher gar nicht wusste und das fand ich in meinem Leben sehr wichtig und angenehm. Und bei den Menschen, denen es nicht so gut ging – da habe ich mein Ohr ganz groß gemacht und einfach zugehört. Auch wenn ich die Leute nicht verstehen konnte, habe ich gespürt, was da fehlte bei ihnen oder dass sie etwas loswerden wollten. Wir Menschen müssen noch viel mehr ein Ohr haben für andere.“ (Marianne, Ehrenamtliche, Kleiderkammer, Begegnungscafé, Frauentreff und Garten der Hoffnung, seit 2015)

Garten der Hoffnung

Gemeinsam mit Bewohnerinnen und Bewohnern entwickelten Ehrenamtliche eine Gartengestaltung für die Außenbereiche der Unterkunft und setzten diese Schritt für Schritt um: Hochbeete mit Sitzbänken, ein essbarer Nutzgarten und Blumenpflanzungen. Die Kinder standen am Wasserhahn Schlange, um ihre Gießkannen zu füllen, und lernten erste Wörter wie „Radieschen“, „Erbse“ oder „Kartoffel“.

„Der Name ist Programm – Wir wollten Hoffnung pflanzen auf die leeren Flächen zwischen den Containern. Gemeinsam mit den Menschen, die dort einzogen. Gärtnern, um Menschen zusammenzubringen.“ (Petra, Ehrenamtliche, Garten der Hoffnung, 2015-2022)

„Gärtnern mit Integrationsauftrag, als Ehrenamtliche habe ich diese Bestimmung für mich entdeckt.“ (Yvonne, Ehrenamtliche, Garten der Hoffnung, 2015–2016)

„Das ist ein Tablett aus Rattan, das ich extra für die Teetassen im Frauenraum angefertigt habe. Das Material ist leicht zu bearbeiten und wurde von der Workshopleiterin vom Verein Schutzhülle mitgebracht. Wir waren eine gemischte Gruppe aus Bewohnenden und Externen, die sich eine Zeit lang einmal in der Woche zum Flechten getroffen hat.“ (Gitti (Fatima), Ehrenamtliche, Garten der Hoffnung und Frauentreff, 2015–2020)

Ein neues Beet wird angelegt. Foto: unbekannt

Vom 11. Mai bis 08. Juni im Rathaus Treptow, Neue Krugallee 4, 12435 Berlin
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