Im Dezember 2014 entstand Berlins erstes „Containerdorf“ – eine Unterkunft für Geflüchtete bestehend aus 367 bunten Containern. Menschen aus vielen Teilen der Welt fanden hier ein Zuhause auf Zeit – in einem für sie unbekannten Umfeld. Auch die Nachbarschaft sah sich in ihrem gewohnten Alltag herausgefordert und rang um neue Formen des Selbstverständnisses und Miteinanders. Im Dezember 2025 wurde das Containerdorf geschlossen. Doch die Ereignisse und persönlichen Erfahrungen werden die Menschen weiter prägen. Was hier passiert ist, steht exemplarisch für unzählige andere Nachbarschaften, die ebenso unverhofft zu Orten des Ankommens* wurden und werden.
* vergleichbar mit dem Begriff der „arrival cities“ von Doug Saunders, auf Deutsch „Ankunftsquartiere“: Orte, an denen sich Menschen aus anderen Ländern niederlassen.
Die Ausstellung betrachtet die Beziehung zwischen dem „Containerdorf“ und der Nachbarschaft – nach thematischen Schwerpunkten, in chronologischer Abfolge, sowie aus wechselnden Blickwinkeln der verschiedenen Beteiligten. Dafür wurden mehrere Werkstätten organisiert, um sich gemeinsam zu erinnern und auszutauschen, Einzel- und Gruppeninterviews mit insgesamt 37 Personen geführt, 34 Gigabyte Fotos, Videos und Texte ausgewertet sowie weitere Zeitdokumente und Literatur recherchiert.
Das Ergebnis ist ein mehrdimensionales Koordinatensystem: Neben dem Verlauf der Ereignisse kommen immer wieder beteiligte Akteurinnen und Akteure aus Nachbarschaft, Verwaltung und Politik vor. In Form von Zitaten berichten sie über ihr eigenes Handeln und Empfinden in den übergeordneten Kategorien „Konflikt und Heilung“, „Davor und Danach“, „Allein und Gemeinsam“. So werden die Denkmuster und Gefühle sichtbar, die hinter den persönlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen stehen. Damit versteht sich die Ausstellung als Plattform, die entlegene Positionen vereint und das offene Gespräch über das abschließende Urteil stellt.
„Treptow-Köpenick hatte ja das Glück mit dem ersten sogenannten Wohncontainerdorf, also diesen bunten Containern. Und dann auch das erste sogenannte Tempohome in Altglienicke. Wir sind sozusagen schon ein bisschen ein Museumsbezirk.“ (Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)
„kleines Schmuckstück“ (Bewohner Seniorenzentrum Bethel Köpenick)