Im Sommer 2015 gelangte das LAGeSo, später Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF), zu zweifelhaftem Ruf. Täglich lagerten neue Menschen vor der Behörde im Freien, die Bilder einer versagenden Verwaltung gingen durch die Presse. Sowohl hier als auch für die Bevölkerung insgesamt deutlich spürbar war der Druck auf die Versorgungssysteme der Stadt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Das Wesen einer jeden Stadt ist Veränderung. Das liegt auch am andauernden Ringen um die bestmögliche Verteilung der Ressourcen für das Zusammenleben. Mehrere Jahre Sparkurs sind an Berlin nicht spurlos vorübergegangen, auch wenn die Wirtschaftsleistung seit 2014 durchgängig über dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt. Der Alltag von weiten Teilen der Bevölkerung ist weniger vom Aufschwung geprägt, als von Sanierungsrückständen bei öffentlichen Infrastrukturen wie Schulen und Nahverkehr, Personalmangel und damit langen Wartezeiten in den Verwaltungen, sowie staatlichem Missmanagement, z. B. beim Flughafen BER. Gleichwohl kämpfen Verwaltungen um die Aufrechterhaltung ihrer Handlungsfähigkeit bei der Umsetzung ihrer Aufgaben.
Für das im Jahr 2016 ausgelagerte LAF sind das die Registrierung, Versorgung und Unterbringung von Geflüchteten, zu deren Aufnahme das Land Berlin verpflichtet ist. Die Ankunft Geflüchteter wird zum Stresstest für ein ohnehin überlastetes System – und allzu leicht werden die Geflüchteten selbst zur Ursache des Problems gemacht. Damit steht in den öffentlichen Debatten nicht mehr die Bringschuld der Verantwortlichen – eine funktionierende Infrastruktur für alle zu gewährleisten – im Fokus, sondern die Grundrechte und der Leistungsanspruch einer Gruppe von Menschen werden angezweifelt. Das hat auch Einfluss auf die Wahrnehmung der Menschen in den Kiezen gegenüber ihren neuen Nachbarinnen und Nachbarn.
Die Ebenen vermischen sich
Die Beschwerden aus dem tatsächlichen Zusammenleben unterscheiden sich von den unbegründeten Vorurteilen im Voraus. Eine weitere Ebene sind allgemeingültige Anforderungen an die Versorgungssysteme. In politisch motivierten Kampagnen wird der Frust über Versorgungsmängel verwendet, um Menschen gegeneinander auszuspielen, indem einzelne Gruppen dafür verantwortlich gemacht werden.
„Dass die Kriminalität im Umfeld von Unterkünften ansteigt, lässt sich einfach nicht belegen. Nicht in der Kriminalitätsstatistik und auch nicht in den Erfahrungen der Polizeiabschnitte.“ (Monika Hebbinghaus, LAF, Pressereferentin, seit 2017)
„Irgendwann habe ich mal gehört, dass Lidl in Allende I selbst gesagt hat, dass sie mehr verdient haben, seitdem die Flüchtlingsunterkunft dort ist. Aber diese Info wurde ja nie verbreitet.“ (Dirk, Ehrenamtlicher, Allende 2 hilft e.V., 2014–2023)
„Ich glaube, wenn die wirtschaftliche Situation deutlich schlechter gewesen wäre, dann wäre es noch mal schwieriger gewesen. Ich weiß nicht, ob wir dann immer relativ leicht die Gelder aus dem Integrationsfonds bekommen hätten. Aber das ist Spekulation.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)
„Niemandem wird irgendetwas weggenommen und niemand kriegt alles geschenkt. Menschen im Asylverfahren haben Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Das ist etwas weniger als Sozialhilfe.“ (Peter Hermanns, Internationaler Bund, Leiter der Unterkunft, 2014–2021)
„Die Leute sind nicht alle böse, die sagen ‚Wir möchten hier keine Geflüchteten.‘ Die befürchten einfach, dass das System es nicht mehr trägt. Es ist keine Sozialneiddebatte, sondern eher das Gefühl ‚Es ist schon zu knapp und jetzt kommen noch Leute obendrauf, die brauchen ja auch Unterstützung: Schulplätze für ihre Kinder, Termine beim Arzt. Wie soll das gehen?‘ Sodass sich daran das ganze Leid der gebeutelten Stadtbevölkerung entzündet.“ (Monika Hebbinghaus, LAF, Pressereferentin, seit 2017)
„Nach unserer Erfahrung ist es wirklich egal, ob die Leute rechts oder links oder etwas dazwischen sind. Keiner möchte in seiner Nachbarschaft eine Unterkunft haben. Wir haben noch nie erlebt, dass Anwohner sagen: ‚Oh, das ist super. Genau hier sollten Sie die Unterkunft bauen. Gute Idee. Wir finden auch, Menschen brauchen gute Unterbringung.‘ Das haben wir noch nie erlebt. Selbst in Kreuzberg nicht.“ (Monika Hebbinghaus, LAF, Pressereferentin, seit 2017)
„Zu der Zeit ist ja eine Unterkunft nach der anderen entstanden. Ich kann mich erinnern, als die Containerunterkunft an den Start ging, haben wir wenig später schon die Notunterkunft in der Rudower Straße aufgemacht. Als nächstes kam die Turnhalle in der Glienicker Straße und so weiter. Es gab auch andere Unterkünfte, da haben nicht so viele Menschen drumherum gewohnt, da hat es keinen Menschen interessiert.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)
„Es gab Situationen, da wurde mir in Adlershof gesagt: ‚Mach doch eine Unterkunft in Friedrichshagen!‘ und in Friedrichshagen: ‚Mach doch eine Unterkunft in Adlershof!‘ Das funktioniert natürlich nicht. Die Leute wollen nach dem Sankt-Florian-Prinzip ihr Problem in Anführungsstrichen loswerden.“ (Oliver Igel, Bezirksbürgermeister Treptow-Köpenick, seit 2011)
„Nicht in meinem Vorgarten – natürlich! Ich denke da an die Menschen im Quittenweg, die ihr Haus und ihren Garten dort haben, extra da raus gezogen sind, wirklich nicht leicht zu erreichen mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wenn dann die ‚Probleme der Welt‘ direkt in den Vorgarten gebaut werden, das sorgt natürlich für Stress und Stress macht Menschen auch ungerecht. Das ist für mich zumindest nachvollziehbar.“ (Nils Hauer, LAF, Bezirksleiter Treptow-Köpenick, 2017–2021)
Sankt-Florian-Prinzip
Das Sankt-Florian-Prinzip beschreibt ein Handlungsmuster, bei dem Herausforderungen oder mögliche Risiken nicht aktiv bewältigt werden, sondern an andere weitergereicht werden. Anstatt ein Problem gemeinsam zu lösen, wird versucht, es aus dem eigenen Umfeld zu verdrängen. Im Englischen entspricht diesem Konzept der Begriff NIMBY („not in my backyard“), was sinngemäß „nicht vor meiner Haustür“ bedeutet.
Wohnraum – Zwischen Strategie und Marktlogik
Seit 2018 bildet das „Gesamtkonzept zur Integration und Partizipation Geflüchteter“ den Rahmen für Senat, Bezirke und Zivilgesellschaft, um das Ankommen von Menschen in der Stadt zu erleichtern. Der Umsetzungsbericht von 2024 benennt nach einer Umfrage in allen Bezirken als dringendstes Problem die fehlenden Perspektiven auf dem belasteten Wohnungsmarkt. Selbst Menschen, deren Asylgesuch positiv beschieden wurde und denen der Wohnungsmarkt offensteht, sehen sich gezwungen, weiterhin in den landeseigenen Unterkünften zu verbleiben, weil es keinen bezahlbaren Wohnraum gibt. Zum einen bieten die Unterkünfte keinen ausreichenden privaten Rückzugsraum. Zum anderen fehlt durch die lange Aufenthaltsdauer Platz für Neuankömmlinge. Die Versorgung mit Wohnraum auf einem derart angespannten Immobilienmarkt wird zur Herkulesaufgabe.
„Integration gelingt in einer Stadt besser, aber der integrierende Faktor Wohnung fehlt. Dabei darf man wahrscheinlich überhaupt nicht außen vor lassen, dass der internationale Immobilienmarkt der Feind ist.“ (Nils Hauer, LAF, Bezirksleiter Treptow-Köpenick, 2017–2021)
„Man muss aufpassen, dass man mit solchen temporären Bauten nicht grundsätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten im Weg steht, weil ja auch die gesamte Infrastruktur wachsen muss in dieser Stadt. Dazu gehören definitiv die Schulen, die Sportanlagen, die medizinische Versorgung usw. Was man temporär besetzt, muss im Sinne der allgemeinen Entwicklung auch wieder aufgegeben werden können.“ (Nils Hauer, LAF, Bezirksleiter Treptow-Köpenick, 2017–2021)
LAF auf Immobiliensuche
Das LAF unterhält ein Portfolio an Unterkünften, das kontinuierlich angepasst werden muss. Langfristige Planungen und kurzfristige Reaktionsfähigkeit schließen sich nicht gegenseitig aus, müssen aber politisch gewollt sein. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung neuer Standorte ist der schwierigste Moment der Planung. Zu früh kann Erpressbarkeit in Preisverhandlungen bedeuten. Zu spät einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung.
„Politik und Verwaltung ziehen ja nicht immer an einem Strang. Das ist ja das Problem. Zum Teil hat man ganz unterschiedliche, gegensätzliche Interessen.“ (Monika Hebbinghaus, LAF, Pressereferentin, seit 2017)
Schnell, schneller, am schnellsten. In der Not gewinnt das kontroverse Stahlgehäuse. Doch ab wann ist eine Behausung ein Zuhause?
Unbemerkt von der Öffentlichkeit begann der Krisenmodus für die Verwaltung bereits im Sommer 2014. Im Vergleich zum Vorjahr hatte sich die Zahl der ankommenden Geflüchteten verdoppelt. Vorherige Prognosen wurden von der gewaltvollen Realität des weltpolitischen Geschehens* eingeholt. Die frisch gegründete, ressortübergreifende „Task Force Notunterbringung“ (TFNU) bekam den klaren Auftrag: neue Unterkunftsplätze, so schnell und so günstig wie möglich.
Gedacht als Brückenlösung zwischen der Zweckentfremdung von Turnhallen und riesigen Traglufthallen einerseits und dem modularen Bau von Wohnungen mit LAF-Belegungssteuerung andererseits, waren Container keineswegs ungewöhnlich. Es gab sie bereits in den 1990er Jahren, sowie aktuell an anderen Orten in Deutschland und Europa. Doch die TFNU wollte mehr und legte die Betonung auf Wohncontainer-„Dorf“: bis zu 400 Menschen je Standort; hochwertig gestaltete Außenanlagen mit Kinderspielplatz, Wegeführung, Sitzbänken, Pavillon und Fahrradständern, sowie eine farbige Fassadengestaltung. Die Kunst, aus Stahl ein wirkliches Zuhause werden zu lassen, lag im Anschluss beim jeweiligen Betreiber der Unterkunft.
* Mit dem Eintritt des „Islamischen Staates“ in den syrischen Bürgerkrieg begaben sich Millionen Menschen auf die Flucht. Unhaltbare Zustände in den überfüllten Flüchtlingscamps im Libanon, in Jordanien und der Türkei waren für viele Menschen der Grund, weiter Richtung Europa zu ziehen. Sie sind dennoch nur ein Bruchteil der Syrerinnen und Syrer, die insgesamt vertrieben wurden.
Beschaffung und Betrieb
„Das LAF ist der Koch, wir, der Betreiber, die Kellner.“ (Peter Hermanns, Internationaler Bund, Leiter der Unterkunft, 2014–2021)
„Container waren in der Zeit europaweit sehr begehrt und deswegen nur schwer zu beschaffen. Aber wenn die Gesamtkonzeption erst mal stand, die Bestellung auf dem Laster war, konnte man das in einer sehr kurzen Zeit aufbauen und mit Medien anschließen, weil da natürlich auch Strom und Wasser sein musste.“ / „Legt erst mal los, war die Überschrift.“ (Nils Hauer, LAF, Bezirksleiter Treptow-Köpenick, 2017–2021)
„Oft sind die Flüchtlingsunterkünfte dort, wo es kein gutes W-Lan gibt. Da helfen nur Messungen in den Räumen und eine Ausstattung mit Accesspoints mit hoher Abdeckungs-Wahrscheinlichkeit. Dabei sind Stahlcontainer besonders schwierig, da durch Reflexionen und Dämpfungen unberechenbare Zustände auftreten können. Die Bewohner bewegen sich während der Internetverbindung im Gebäude. Es muss also eine Lösung gefunden werden, bei der ein Übergang von einem Accesspoint zum anderen ohne Unterbrechung der Verbindung erfolgt. Diese Technologien waren damals selten und teuer. Daher die Nutzung der Freifunk-Entwickler.“ (André Schaal, b2social e.V., Vorstand, seit 2014)
„Legohaus“ (Bezeichnung der Kinder in der Nachbarschaft)
„Einen ‚unmenschlichen‘ oder ‚falschen‘ oder sonst wie bestimmten Umgang mit Menschen allein an irgendeiner Architekturform oder Raumform festzumachen, ist einfach total unterkomplex und falsch. Das Entscheidende ist, wie das organisiert wird und wie Menschen mit den Menschen dort umgehen.“ (Dr. Alexander Klose, Just Transition Center (JTC) Halle, Kulturwissenschaftler, Kurator (und Containerforscher seit 2001))
Gemeinschaft
„Als wir von der Unterkunft in eine Wohnung gezogen sind, haben meine Kinder mehr als ein Jahr lang immer und immer wieder gesagt: ‚Hier ist es langweilig, wir wollen zurück in die Alfred-Randt-Straße. Wir wollen unsere Freunde treffen und die Aktivitäten mitmachen. In der Wohnung ist es langweilig für uns.‘“ (Haitham, Bewohner, 2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)
„Das sollte man bei zukünftigen Planungen auch bedenken, dass vielleicht manches gar nicht so perfekt sein muss, aber für die Gemeinschaft muss gesorgt werden.“ (Detlef Cwojdzinski, LAGeSo, Leiter Task Force Notunterbringung, 2014–2015)
Ist es zumutbar?
„Ich habe immer proklamiert, dass wir doch eigentlich mindestens eine Probeübernachtung in der Unterkunft machen müssten. Das war politisch natürlich nie gewollt und ist auch nie genehmigt worden. Wäre aber mal eine Herangehensweise, um zu schauen: Wie laut ist so ein Haus? Wie ist das Klima? Wie ist das eigentlich, wenn man sich da eine Küche und einen Kühlschrank teilt?“ (Nils Hauer, LAF, Bezirksleiter Treptow-Köpenick, 2017–2021)
„Ich kann mich noch erinnern, dass ich die damalige Stadträtin irgendwann angerufen und gesagt habe: ‚Jetzt fängt es langsam an, keinen Spaß mehr zu machen‘. Weil wir jetzt eine Sache mittragen mussten, der wir selbst kritisch gegenüberstanden: dass Menschen in Containern untergebracht werden sollten.“ (Gregor Postler, Bezirksamt Treptow-Köpenick, Beauftragter für Partizipation und Integration, seit 2014)
„Stahl ist jetzt echt nicht besonders menschenfreundlich.“ (Dr. Alexander Klose, Just Transition Center (JTC) Halle, Kulturwissenschaftler, Kurator (und Containerforscher seit 2001))
„Wir empfanden es immer als angemessene Unterbringung, sonst hätten wir es nicht getan.“ (Detlef Cwojdzinski,LAGeSo, Leiter Task Force Notunterbringung, 2014–2015)
„Ich finde Container nicht so schlimm. Hauptsache es gibt keine großen Einschränkungen, zum Beispiel wohin man gehen darf.“ (Liza, Bewohnerin, 2024–2025)
„Also im Container für eine kurze Zeit leben, ja. Aber man musste sehen, wie man so schnell wie möglich in ein Haus oder eine Wohnung ziehen konnte, weil Container ist Container.“ (Naim, Bewohner, 2015–2020)
Von der Idee zur Schlüsselübergabe
- Es findet eine europaweite Ausschreibung statt über die Bereitstellung von Wohnraum in Containerbauweise nach dem Leistungsverzeichnis der Task Force Notunterbringung.
- Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen bringt ein vereinfachtes baurechtliches Planungsverfahren auf den Weg.
- Das Berliner „Container-Handelsbüro Bonitz“ bekommt den Auftrag für die Ausführung der Alfred-Randt-Straße.
- Der österreichische Hersteller „Containex“ ist der Zulieferer der Module, die in konzerneigenen Werken in Tschechien und Slowenien gefertigt werden.
- Mit 184 LKW-Fahrten werden insgesamt 367 Container angeliefert, 270 für Gebäude 1 und 97 für Gebäude 2.
- Zwischen der Errichtung des Bauzauns und dem Einzug der ersten Menschen liegen acht Wochen.
15 Quadratmeter für zwei Personen
Ein Container war ein Zimmer. Wer allein nach Deutschland kam, teilte sich das Zimmer mit einer weiteren, fremden Person. Jede Person hatte ein Bett, einen Schrank und einen Stuhl. Kühlschrank und Tisch wurden geteilt. Für größere Familien gab es die Möglichkeit, nebeneinanderliegende Container zu verbinden. Küchen und Sanitärräume lagen außerhalb der Zimmer und wurden mit allen geteilt. Die Bäder waren nach Geschlecht und nach Funktion getrennt, das heißt, eine Sanitäreinheit verfügte entweder über vier Duschen oder vier WCs. Die Anordnung der Küchen mit jeweils vier Herden war so kalkuliert, dass sich ca. 14 Personen einen Herd teilten. Je nach Gebäude befanden sich die geteilten Funktionsräume auf der gleichen oder einer anderen Etage. Zusätzlich gab es für die ganze Unterkunft einen Waschraum mit acht Waschmaschinen und acht Trocknern.
„Das ist natürlich auch so etwas wie eine technische Utopie, die da verwirklicht worden ist. Auf der Basis von einer relativ simplen Grundeinheit, die wiederum ein paar relativ simple Grundelemente hat, wie die Corner Castings und die Twistlocks. Aber die weltweit standardisiert und überall vorrätig sind und dann kann man das auf so irrsinnige Größen skalieren. Und mit der Geflüchtetenunterkunft sind wir sozusagen auch an einem Ende dieser technischen Utopie.“ (Dr. Alexander Klose, Just Transition Center (JTC) Halle, Kulturwissenschaftler, Kurator (und Containerforscher seit 2001))
„Vor der Containerunterkunft habe ich in einer Basketballhalle gewohnt, mit 250 Personen zusammen. Für mich war das hier eine Weiterentwicklung. Viele haben gesagt: ‚Container ist schwierig, im Sommer warm, im Winter kalt.‘ Aber für mich war alles in Ordnung. Ich hatte Freude. Ich konnte selber kochen, mich selbst versorgen und musste mit nur einer Person ein Zimmer teilen. Ja, klar, Duschen und Küche waren geteilt, aber das war ok. Es war meine erste Wohnung in Deutschland.“ (Haitham, Bewohner, 2017–2019; Kinder- und Jugendbetreuer 2021–2023; Garten der Hoffnung 2021–2025)
„So ein Platz, den ein Mensch hier hat, wird ausgestattet für 500 €. In diesen 500 € sind sämtliche Möbel drin, auch der Kühlschrank, die Waschmaschinen im Waschraum und unsere Büroräume.“ (Peter Hermanns, Internationaler Bund, Leiter der Unterkunft, 2014–2021)
Twist Lock: (twist engl. für „verdrehen“, lock engl. für „Schloss“), auch Drehzapfen genannt, sind Verriegelungen, die die standardisierten Seefracht-Container untereinander, nach unten mit dem Trägerfahrzeug oder nach oben mit dem Hebegeschirr, dem sogenannten Spreader, verbinden. Die Verriegelung passt perfekt in die Löcher der Eckbeschläge.
Corner Casting: (corner engl. für „Ecke“, casting engl. für „Gussteil“), auch Eckbeschläge genannt, sind die großen dreilochigen Blöcke aus Cortenstahl, die die Ecken aller standardisierten Seefracht-Container bilden. Die Löcher sind mit einer Toleranz von nur wenigen Millimetern genormt, sodass sie weltweit kompatibel sind.
- Containerunterkunft in Oberursel (Taunus), Hessen, 1990 – 2016
- Containerunterkunft in Titz-Opherten, Nordrhein-Westfalen, 1991 – 2012
- Containerunterkunft in der Waldmeisterstraße in München, Bayern, 1993 – 2010
- Containerunterkunft in der Wilhelm-Keil-Straße, Tübingen, Baden-Württemberg, seit 2017
- Wohncontainerdorf 2.0 in der Grünauer Straße in Köpenick, Berlin, seit 2025